...kam in die Stadt und ans JMG

Muss man „Kristina vom Dorf“ kennen? Man muss nicht, aber man sollte schon:
Die junge Frau hat ihr Abi an unserem Gymnasium gemacht – nicht besonders gut, wie sie offen zugibt. Aber jetzt hat sie mehr Follower in sozialen Netzwerken als alle Lehrerinnen und Lehrer des JMG zusammen.
Es wurde schnell deutlich, warum Kristina Zorniger alias Kristina vom Dorf so erfolgreich ist: Als charismatische Entertainerin brauchte sie kein Mikro, um die ganze Aula eine Stunde lang in ihren Bann zu ziehen und dabei mühelos von hochdeutscher Sprache in breites Sächsisch zu wechseln. Das Sächsische kam ihr dabei so selbstbewusst über die Lippen, dass man „Muddi“ nicht widersprechen mochte. Und sie hat auch etwas zu erzählen, denn sie begleitete ihren Partner Alexander Zorniger (Ja: ehemaliger Trainer von RB Leipzig!) nach Dänemark, Zypern und Westdeutschland – quasi ins Ausland.
Dort suchte sie den Kontakt zu Einheimischen, um Land und Leute kennenzulernen. Eine dritte Zutat fehlt noch: Ihre sächsische Herkunft und ihr Dialekt. Die stehen bei ihr thematisch im Mittelpunkt. Das freut ihre sächsischen Anhänger, und die nichtsächsischen lernen etwas dazu – auf sehr unterhaltsame Art.
Für „How to survive auf dem Dorf“ recherchierte sie vorwiegend in Langenreinsdorf. Im Buch erfahren Sie, „Warum Ihre Nachbarn bereits alles über Sie wissen“, „Warum ein Besuch beim Bäcker viel Zeit kostet“ oder warum es auf dem Dorf „[…] selbst beim Betrinken Regeln gibt“.
Obwohl Kristina vom Dorf (angeblich) weder gerne noch gut kocht, hat sie Fernsehkoch Jörg Färber für ein sächsisches Kochbuch „klargemacht“. Es heißt „Kulinarische Entdeckungen von der Oberlausitz bis ins Erzgebirge. Sächsisches Allerlei“. Kochbücher gibt es viele. Aber kennen Sie „Oberlausitzer Teichelmauke“, „Meißner Fummel“ oder „Leipziger Piepen“? Das Buch enthält zudem Reportagen über Erzeuger, Manufakturen und Produkte aus Sachsen und ist mit stimmungsvollen Fotos reich bebildert. Ein Gast des Abends hatte schon etwas nachgekocht und schwärmte vom Miriquidi-Schweinebauch…
Im Publikum musste man immer aufmerksam bleiben, wie in der Schule… Man musste nämlich immer damit rechnen, aufgerufen zu werden, um Kristina Zornigers Gedankengänge zu bereichern. Besonders gefährdet waren dabei ihre ehemaligen Lehrer. An einige von ihnen konnte sie sich noch gut erinnern: An Frau Penzel in Mathe, Frau Wolf in Deutsch, an Herrn Hanzig, Frau Schiller und Frau Biedermann. Aber auch ihre Schwester, ihre Mutter, Onkel Willi, ehemalige Klassenkameraden und die Kinder im Publikum wurden aufgerufen, auch wenn es nur – „Pfoten hoch!“ – um eine schnelle Umfrage ging.
Fazit des Abends? Unterhaltsam war er sowieso. Und man hat gelernt: Wenn man weiß, was man will, kann einen auch ein mäßiges Abitur nicht darin hindern. Und nicht nur Schule bildet, sondern auch Zeit im Ausland, wenn man sich für Land und Leute interessiert.
Wer hatte den Abend organisiert? Der Förderverein! Herzlichen Dank!
M. Jahn



